Montag, 18. Juli 2005




Im Jenseits gelten andere Spielregeln

Willi Winter und Wolfgang Dammers begeisterten im Neschower Zelttheater
Neschow (CK) • "Jetzt einen schönen Schmachtfetzen, ein Glas Rotwein und etwas zum Knabbern.
" Willi Winters durchaus diesseitiger Wunsch ging am Freitagabend nicht in Erfüllung.
Im Jenseits gelten schließlich andere Spielregeln. "Hier gibt es nur geistiges Knabberzeug", sagte Wolfgang Dammers.
Und das servierten die beiden am Freitagabend dem Publikum im Neschower Zelttheater.

"Man gewöhnt sich an allem", so hatten Winter, Puppenspieler aus Baden-Württemberg mit Wohnsitz in Cronskamp,
und Dammers, Kabarettist aus dem Rheinland, ihr Programm überschrieben.
Das Szenario: Winter und Dammers sind die beiden letzten Seelen im Himmel.
Alle anderen Seelen werden wegen der globalen Bevölkerungsexplosion auf der Erde benötigt.

Aus der jenseitigen Perspektive lässt es sich natürlich trefflich diskutieren,
über Kriege und Umweltzerstörung, über Religiosität und Werteverfall, über Armut und Vereinsamung,
über Vergangenheitsbewältigung und Generationenvertrag – und das Ganze mit einer gehörigen Portion Zynismus,
wie in dem Lied "Friendly Fire", in dem George Bush und Tony Blair neue Angriffspläne schmieden,
oder dem Song "O zone mio", der die Klimakatastrophe aufs Korn nimmt.

Das Publikum in Neschow jedenfalls applaudierte für fast zwei Stunden anregende Unterhaltung.
Von Zelttheater-Chef Albrecht Weiske gab es dann noch ein besonderes Dankeschön
an die beiden Grenzgänger aus dem Westen der Republik: zwei Goldmedaillen für gutes Pflügen.